Dr. Eckhard R. Lucius
Die Internationale Biologieolympiade

IBO
Ein Reader mit Informationen
über Organisation und Wettbewerbsbedingungen.
Dezember 1996
gefördert mit Mitteln des

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INSTITUT FÜR DIE PÄDAGOGIK DER
NATURWISSENSCHAFTEN AN DER UNIVERSITÄT KIEL |
1. Was ist die Internationale Biologieolympiade?
Die Internationale Biologieolympiade (IBO) wurde 1989 von sechs Nationen, unter anderem Deutschland, gegründet und im Jahre 1990 zum ersten Mal ausgetragen. Sie ist ein jährlich wiederkehrender Schülerwettbewerb, der der Förderung biologisch hochbegabter Schülerinnen und Schüler insbesondere der Sekundarstufe II im Fach Biologie dient. Die Organisation des nationalen Wettbewerbs, bei dem vier Kandidaten für die Olympiamannschaft ausgewählt werden, liegt des IPN. Die Ziele des Wettbewerbes sind, aktives Interesse an biologischen Arbeiten und kreatives Denken beim Lösen biologischer und ökologischer Probleme zu fördern, Kontakte zwischen biologisch besonders interessierten Schülern herzustellen und freundschaftliche Beziehungen zwischen jungen Menschen verschiedener Länder zu entwickeln, um dadurch zur internationalen Zusammenarbeit und zum Verständnis verschiedener Nationen beizutragen.
Die internationale Biologieolympiade findet jeweils im Sommer in einem der teilnehmenden Länder statt. An der VII. IBO 1995 in Artek auf der Krim nahmen 23 Nationen teil (Argentinien, Australien, Azerbaidjan, Belgien, China, Deutschland, Kasachstan, Kirgistan, Kuwait, Lettland, Niederlande, Polen, Rußland, Schweden, Slowakei, Tazikistan, Thailand, Tschechien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Vietnam und Weißrußland). Entsprechend dem Reglement können derzeit weitere acht Nationen an der VIII. Biologieolympiade in Aschabad in Turkmeneistan teilnehmen (Bulgarien, England, Finnland, Moldawien, Mongolien, Rumänien, Japan und die Schweiz).
Die deutschen Schüler waren bisher bei allen Olympiaden erfolgreich:
I. IBO 1990 in Olomouc (Tschechoslowakei) 1
Silbermedaille
1 Bronzemedaille
II. IBO 1991 in Makhachkala (Rußland) 4 Bronzemedaillen
III. IBO 1992 in Poprad (Tschechoslowakei)
1 Goldmedaille
1 Silbermedaille
1 Bronzemedaille
IV. IBO 1993 in Utrecht (Niederlande) 2
Silbermedaillen
1 Bronzemedaille
V. IBO 1994 in Varna (Bulgarien) 1
Silbermedaille
1 Bronzemedaille
VI. IBO 1995 in Bangkok (Thailand) 2
Silbermedaillen
2 Bronzemedaillen
VII. IBO 1996 in Artek (Ukraine) 1 Silbermedaille
Außer der Internationalen Biologieolympiade werden schon viele Jahre vergleichbare naturwissenschaftliche Wettbewerbe in Chemie, Informatik, Mathematik und Physik durchgeführt. Auch die nationalen Wettbewerbe der Olympiaden in Chemie und Physik werden vom IPN organisiert. Die Internationale Biologieolympiade wird vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) gefördert. Das Ministerium trägt jährlich die Kosten für die Aufgabenentwicklung, die Reisekosten von Schülern, Olympioniken und Betreuern, Personalkosten für die nationale Organisation und Durchführung des Auswahlverfahrens sowie Sachmittel.
2. Wie ist die Internationale Biologieolympiade auf nationaler Ebene organisiert?
Seit 1995 liegt die Koordination der Biologieolympiade beim IPN. Von 1996 an findet jährlich Ende Februar bis Anfang März ein Auswahlseminar am IPN in Kiel statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Es können bis zu 45 Schülerinnen und Schüler partizipieren, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
Die Ausschreibung für die Anmeldung (s. grüne Beilage) zum Auswahlverfahren erhalten der Ausschuß für Schülerwettbewerbe der KMK, die Kultusministerien und die überregionalen Lehrerfortbildungsinstitute der einzelnen Länder, die Landesvorsitzenden des Verbandes Deutscher Biologen (VDBiol) sowie einzelne Schulen, die sich in der Vergangenheit um die Förderung biologisch begabter Schüler in besonderem Maße gekümmert haben. In der Mehrzahl sind von den Kultusministerien Landesbeauftragte benannt worden, die gesondert angeschrieben werden. Es wird angestrebt, daß jedes Bundesland einen Landesbeauftragten stellt.
| 1. Schritt | Ausschreibung | Oktober des Vorjahres |
| 2. Schritt | Ende der Anmeldungen | Mitte Januar |
| 3. Schritt | Vorklausur für das Auswahlseminar |
Mitte/Ende Januar |
| 4. Schritt | Auswahlseminar mit 45 Teilnehmern |
Ende Februar/Anfang März |
| 5. Schritt | Trainingskurs mit fünf Teilnehmern |
Ende Mai/Anfang Juni |
| 6. Schritt | Internationale Biologieolympiade |
Erste Juliwoche |
| 7. Schritt | Empfang beim BMBF Empfehlung für die Studienstiftung |
Mitte September |
Wenn zum Auswahlseminar in Kiel mehr als 45 Teilnehmer angemeldet werden, wird an die betroffenen Schulen eine einheitliche Vorklausur geschickt, die die Schüler unter Aufsicht Ihres Fachlehrers lösen müssen. Der Leistungsvergleich erfolgt danach am IPN; die 45 besten Schülerinnen und Schüler werden für das Auswahlseminar nominiert. Es wird angestrebt, dieses Verfahren durch eine Vorrunde in den beteiligten Bundesländern zu ersetzen.
Im Rahmen des viertägigen Auswahlseminars ist dienstags eine praktische und donnerstags eine theoretische Klausur mit insgesamt etwa 170 Aufgaben verschiedenen Schwierigkeitsgrades zu absolvieren. Die Anforderungen orientieren sich an denen der Olympiade (s. Organization Rules der IBO1995).
Die Aufgaben werden aus folgenden biologischen Gebieten gestellt:
1. Zellbiologie - Struktur und Funktionen
der Zellen 25 %
(incl. Mikrobiologie und Biotechnik 5 %)
2. Anatomie und Physiologie der Pflanzen 15 %
3. Anatomie und Physiologie der Tiere 15 %
4. Verhaltensbiologie 5 %
5. Genetik und Evolution 15 %
6. Ökologie 15 %
7. Systematik (einschl. Artenkenntnis) 10 %
Neben den Klausuren finden Rahmenprogramme statt mit Vorträgen aus Forschung und Entwicklung sowie Exkursionen zu biologischen Einrichtungen von Industrie oder Universität. Am Ende des Auswahlseminars haben sich vier Schülerinnen und Schüler als deutsche Mannschaft sowie ein Ersatzkandidat für die Internationale Biologieolympiade qualifiziert. Alle Teilnehmer erhalten eine Urkunde; über die Teilnehmer aus dem Spitzenfeld (etwa die ersten zehn) erhalten die Schulleiter eine besondere Nachricht, um deren weitere Förderung zu unterstützen.
Die vier Kandidaten sowie ein Ersatzkandidat werden am IPN in Kiel Ende Mai bis Anfang Juni für die Olympiade trainiert. In fünf Tagen werden Aufgabenbeispiele vorangegangener Olympiaden intensiv bearbeitet, d.h. Problemlöseprozesse und praktische Tätigkeiten gezielt eingeübt.
In einer der ersten Juliwochen wird die IBO von einer der beteiligten Nationen ausgerichtet. 1997 ist Aschchabad in Turkmenistan der Ausrichtungsort. Im Jahre 1998 wird die IBO von Deutschland in Kiel ausgerichtet werden. 1999 wird die IBO in Schweden stattfinden.
Die deutschen Olympioniken werden nach Möglichkeit zusammen mit ihren Betreuern im Herbst vom BMBF oder einer politisch hochrangingen Person des Ministeriums empfangen. Gewinner von Medaillen werden der Studienstiftung des Deutschen Volkes zur Förderung vorgeschlagen.
3. Organisation und Reglements der IBO´s
Das IBO-Programm füllt im Gastgeberland eine volle Woche aus. Exkursionen und kulturelle Angebote werden für die Olympioniken, die Juroren und die Beobachter immer dann organisiert, wenn wechselweise Freizeiten entstehen. Häufig hat sich folgender Ablauf bewährt:
1. Tag (Sonntag) Ankunft der Delegationen
2. Tag (Montag) Morgens: Eröffnungsfeier
Nachmittags: 1. Jury-Sitzung über
- das generelle Konzept des Wettbewerbs,
- vorgesehene Gesamtpunktzahlen der Testaufgaben,
- vorgesehenen prakt. Test und dessen Auswertung,
- Überprüfung des prakt. Test und dessen Auswertung,
- Übersetzung des prakt. Test in Nationalsprachen.
3. Tag (Dienstag) Praktischer Test
4. Tag (Mittwoch) 2. Jury-Sitzung über
- vorgesehenen theor. Test und dessen Auswertung,
- Überprüfung des theor. Test und dessen Auswertung,
- Übersetzung des theor. Test in Nationalsprachen.
5. Tag (Donnerstag) Theoretischer Test
Morgens: 3. Jury-Sitzung zur Überprüfung der prakt.
Testergebnisse.
Mittags: Aufbruch zu einer Exkursion von Olympioniken
und Jury.
6. Tag (Freitag) Mittags: Ende der
Exkursion.
Abends: 4. Jury-Sitzung zur Überprüfung der theor.
Testergebnisse.
7. Tag (Samstag) Morgens: 5. Jury-Sitzung zu den Ergebnissen der
IBO
und den Medaillenrängen
Nachmittags: Medaillenverleihung und Abschlußfeier.
8. Tag (Sonntag) Abreise der Delegationen.
Es muß garantiert sein, daß sich die Mitglieder der Jury und die Schüler bis zum Abschluß der theoretischen Klausur nicht begegnen. Eine gemeinsame Exkursion ist erst danach möglich. Den Olympioniken, die am 2. Tag nachmittags frei haben, und den Juroren, die am 3. Tag keine Sitzung haben, wird daher in diesen Zeiten ein Rahmenprogramm angeboten.
Die offizielle Sprachen der IBO sind Englisch und Russisch. Die Testaufgaben werden von den jeweiligen Juroren während der Sitzungen in die entsprechenden Landessprachen übersetzt. Ein in Prag eingerichtetes Koordinierungszentrum der Internationalen Biologieolympiade dient als Anlaufstelle für die Teilnehmerländer sowie das zukünftige Gastland. Noch nicht in das Reglement aufgenommene Länder können Beobachter zu einer IBO entsenden. Ferner dient das Zentrum als Archiv von Biologie-Aufgaben, nationalen Lehrplänen und Materialien zu nationalen Biologiewettbewerben.
Jedes Teilnehmerland bestellt über sein jeweiliges Bildungsministerium eine Koordinatorin oder einen Koordinator, die ihre nationale Mannschaft betreuen und zugleich Mitglieder in der Jury der IBO sind. Für die Koordination in Deutschland ist Herr Dr. Eckhard R. Lucius vom IPN in Kiel zuständig. Die Jury stimmt u.a. über die Aufgaben während einer IBO ab.
4. Bisherige Ergebnisse der nationalen Auswahlverfahren 1996
Der 1996 erstmalig beschrittene Weg, bei der Ausschreibung Landesbeauftragte der Kultusministerien einzubeziehen, war erfolgreich. Es meldeten insgesamt 100 Schulen 68 Schülerinnen und 71 Schüler an (s. Liste 1).
Da in Kiel nur maximal 45 Seminarplätze zur Verfügung stehen, wurde an die Schulleitungen Klausuren für die Schüler geschickt. Diese wurden in einer festgelegten Zeit ohne fremde Hilfe absolviert und ans IPN zurückgeschickt. Hier wurden die Klausuren zentral korrigiert. Die 45 besten, nämlich 20 Schülerinnen und 25 Schüler wurden nach Kiel zum Auswahlseminar eingeladen (s. Liste 2).
Die besten bildeten die deutsche Mannschaft und wurden in der letzten Maiwoche 1996 auf die Internationale Olympiade in der Ukraine vorbereitet und trainiert:
| Name | Praktische Klausur | Praxis | Theor. Klausur | Theorie | Summe | |||
| 1. Teil | 2. Teil | 3. Teil | Summe | 1. Teil | 2. Teil | Summe | Gesamt | |
| 1. Ralf
Kittler (Frankfurt/Oder) |
86,0 | 29,0 | 150,0 | 265,0 | 86,0 | 139,5 | 225,5 | 490,5 |
| 2. Christiane
Mühle (Leipzig) |
80,0 | 24,5 | 120,5 | 225,0 | 75,0 | 121,0 | 196,0 | 421,0 |
| 3. Philipp
Graf (Saarbrücken) |
71,0 | 24,5 | 118,0 | 213,5 | 63,0 | 104,0 | 167,0 | 380,5 |
| 4. Jörg
Fettke (Frankfurt/Oder) |
77,0 | 20,0 | 110,5 | 207,5 | 59,0 | 69,0 | 128,0 | 335,5 |
| Ersatzkandidaten: | ||||||||
| 5. Timo
Moritz (Tübingen) |
70,0 | 13,0 | 78,0 | 161,0 | 51,0 | 109,0 | 160,0 | 321,0 |
| 5. Christina
Schreier (Beverungen) |
66,5 | 18,5 | 86,5 | 170,5 | 60,0 | 89,5 | 149,5 | 321,0 |
Zukünftig soll der Wettbewerb in den Ländern auf eine breitere Basis gestellt werden. Ein Treffen der bisherigen Landesbeauftragten ist im Herbst 1996 in Kiel geplant.
5. Bisher benannte Landesbeauftragte der Kultusministerien
Baden-Württemberg: OStR
Claus-Peter Herrn
Landesinstitut für Erziehung und Unterricht
Wiederholdstr. 13
70174 Stuttgart, Tel. 0711-1849-560/-556 (Sekr.), Fax:#-565
Berlin: StR Peter Seidel privat:
Heinrich-Hertz-Gymnasium Schreinerstr. 31
Rigaer Str. 81-82 10247 Berlin
10247 Berlin, Tel. 030-232 429 71 Tel./Fax:030-4274717
Brandenburg: Frau Heidrun
Schröder Vertretung:
Staatl. Schulamt für den Torsten Leidel
Landkreis Potsdam-Mittelmark Lupinenschlag 13
Niemöllerstr. 1-2 14532 Kleinmachnow
14806 Belzig Tel.: 033203-23394
Tel. (d) 033841-58910, (p) #-91307 TLeidel@AOL.com
Bremen: StR Dr. Hans-Udo Graf
Wissenschaftliches Institut für Schulpraxis
Am Weidedamm
28215 Bremen, Tel. (d) 0421-361-14446
Hamburg: StR Wolf-Dieter Blass
privat:
Otto-Hahn-Schule Kiefernweg 16
Jenfelder Allee 53 21465 Reinbek
22043 Hamburg Tel.:040-711-2297
Tel.: 040-669 55-70, Fax:#-745 Fax:#-3313
Hessen: StR Dr. Lorenz Metzger
Liebigschule
Kollwitzstr. 3
60488 Frankfurt/Main
Tel.: (d) 069-2123-9479, Tel./Fax: (p) 06171-7770
Mecklenburg-Vorpomm.: Frau Martina
Kittelmann privat:
Landesinstitut für Schule Glasslereunerstr. 3
und Ausbildung (L.I.S.A.) 17235 Neustrelitz
Brodaer Str. 2
17033 Neubrandenburg
Tel. (d/LISA) 0395/5693-964, Fax (d):#-199
Tel. (d/Schule) 03981-205430, (p) 03981-443088
Niedersachsen: OStR Günther
Kosmann
Gymnasium Bersenbrück
Im Dom 19
49539 Bersenbrück, Tel: 05439-94050
Rheinland-Pfalz: StR Ralf Hellwig
privat:
Bertha-von-Suttner IGS RALF.HELLWIG@T-ONLINE.DE
Im Stadtwald Tel./Fax (p): 06383-57175
67668 Kaiserslautern, Tel. (d): 0631-29004
Saarland: OStR Roman Paul privat:
LPM-Landesinstitut für RPAUL@pegasus.lpm.uni-sb.de
Pädagogik und Medien Tel. (p): 06806-83820
Beethovenstr. 28
66125 Saarbrücken, Tel. (d) 06897-790866
Sachsen-Anhalt: Frau Christina
Winger privat:
Georg-Cantor-Gymnasium Bodestr. 7
Muldestr. 3 06122 Halle
06122 Halle, Tel. (d) 0345-6903156, (p) 0345-8047390
Sachsen: Frau Martina Fichtner
Johannes-Kepler-Gymnasium
Hans-Ziegler-Str. 6-8
09127 Chemnitz, Tel. (d) 0371-71641
Schleswig-Holstein: OStR Dr.
Erhard Lipkow
Hebbelschule
Feldstr. 177
24106 Kiel, Tel. (d) 0431-331548, (p) 0431-18641
Thüringen: Frau Imke Schlufter
Staatliches Gymnasium Klosterschule Roßleben
Klosterschule 5
06571 Roßleben, Tel. (d) 034672-98100
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