Prozedere
Die verschiedenen Oberschulämter
bitten jeweils ca. 15 Biologielehrer, Vorschläge für Teilaufgaben zur Abiturprüfung
zu erstellen (für Grund- und Leistungskurs zusammen).
Die Aufgabenersteller laden wir jedes Jahr zu einem Gedankenaustausch über die
Besonderheiten von Aufgaben für eine zentrale Prüfung ein, da für solche
Aufgaben teilweise andere Regeln gelten als für Aufgaben in einer Klausur zum
eigenen Unterricht.
Basierend auf den eingegangenen Vorschlägen erstellt dann die
Abituraufgabenkommission in drei mehrere Wochen auseinanderliegenden
Arbeitstagungen einen Entwurf der Abituraufgaben. Diese Entwürfe werden vier
Biologielehrern vorgelegt, die nicht Mitglieder der Kommission sind und die
diese Aufgaben ohne Kenntnis des Erwartungshorizonts mit Zeitvorgabe lösen. Die
in dieser Testphase gesammelten Erfahrungen werden in einer weiteren
Arbeitstagung in die Aufgaben eingearbeitet.
Die Abituraufgaben-Kommission setzt sich aus
Mitgliedern der verschiedenen Oberschulämter (dem Fachreferenten für Biologie
und mindestens einem Lehrer oder einer Lehrerin) zusammen. Mitglieder der
Abituraufgabenkommission sind:
Heinz Dangel (Hohenzollern-Gymnasium Sigmaringen), Thomas Dietrich
(Hohenstaufen-Gymnasium Bad Wimpfen), Dietrich Eckardt (Hebel-Gymnasium Lörrach),
Dr. Peter Gilbert (Oberschulamt Karlsruhe), Ernst Hader (Oberschulamt
Freiburg), Eugen Hoh (Oberschulamt Tübingen),
Dr. Josef Maier (Gymnasium Unterrieden Sindelfingen),
Ulrich Marget (Markgräfler-Gymnasium Müllheim), Günter Ost (Oberschulamt
Stuttgart), Karl-Heinz Renner (Theodor-Heuss-Gymnasium Pforzheim), Sabine
Schatte (Fichte-Gymnasium Karlsruhe), Annemarie Schupp (Kultusministerium).
Häufige
Fragen
Wir bemühen uns, die Fragen präzise zu formulieren und
sehen diese immer in engem Zusammenhang mit dem Vortext. Die Erwartung ist also,
dass die Schüler die Fragen auf der Grundlage der im Vortext gegebenen
Informationen beantworten.
In den Vortexten werden auch
die Informationen gegeben, die für die Lösung von Transferaufgaben nötig
sind. Es handelt sich um Inhalte, die nicht im Lehrplan verbindlich
vorgeschrieben und deshalb den Schülern nicht aus dem Unterricht bekannt sind.
Bemerkungen wie "3 Angaben" oder ähnliches sollen den Umfang der
Antworten einschränken. Um den Schülern zu helfen, könnten Sie im Sinne einer
Prüfungstaktik auch auf die Korrelation zwischen der Zahl der
Verrechnungspunkte und dem Antwortumfang hinweisen.
Die Lösungsvorschläge stellen eine mögliche Lösung dar. Andere Lösungen
sind nicht nur denkbar, sondern insbesondere bei Transferaufgaben sogar erwünscht.
Wir gehen dabei nicht davon aus, dass der Schüler auf dem Stand der
wissenschaftlichen Erkenntnis ist, also die "richtige" Lösung findet.
Er soll mit seinem Wissen und auf der Basis der gegebenen Informationen eine
sachlogische Lösung finden und diese schlüssig darstellen.
Warum schreiben Schüler bei manchen Fragen so viel? Welche Möglichkeiten haben
wir, dies zu begrenzen?
Wir sprechen hier ein immer wieder kehrendes Problem an, mit dem Korrektoren wie
Aufgabenersteller gleichermaßen zu kämpfen haben.
Beispiel humorale Immunantwort: Insbesondere bei der Beantwortung von
reproduktiven Teilaufgaben ist es unseres Erachtens wichtig, dass die Schüler
die wesentlichen Punkte eines Sachverhalts erfassen und darstellen. Die
Korrekturerfahrung zeigt, dass dies zwei Schülerpopulationen Schwierigkeiten
macht. Gute Schüler schreiben ausführlich und Dinge, die nicht unbedingt die
Fragestellung betreffen, weil sie extrem viel wissen und all ihr Wissen
anbringen möchten. Dies ist nicht gut zu heißen, weil der Schüler dadurch
unproportional viel Zeit verliert. Der schwache Schüler schreibt alles, was zum
Sachverhalt dazu gehört und was nicht, weil er es nicht genau weiß und nicht
genau unterscheiden kann.
Den Schülern sollte geholfen werden (und nicht erst im Unterricht der
Oberstufe) sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Denn: nicht nur bei
Abiturprüfungen spielt der Aspekt, eine bestimmte Arbeit in einer vorgegebenen
Zeit zu bewältigen, eine große Rolle.
Zum Thema „viel Schreiben“ bitten wir auch die unterschiedliche Bedeutung
der Operatoren zu beachten, die wir sehr bewusst einsetzen. Z.B. Nenne ....
bedeutet Aufzählung ohne weitere Erläuterung oder Begründung. Begründe ....
erwartet eine Darstellung sachlogischer Zusammenhänge. Bitte besprechen Sie
dies mit Ihren Schülern.
Transferaufgaben
Wie Sie in den letzten Jahren sehen
konnten, bringen wir in jeden Aufgabenblock einen Transferteil ein. Wir
versuchen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Reproduktions- Reorganisations-
und Transferaufgaben herzustellen. Die Aufgabenkommission muss - bei einer
zentralen Prüfung - den Begriff "Transfer" auf Grundlage des
Lehrplans definieren. D.h., es sind durchaus Situationen/Aufgabenstellungen
denkbar, die für eine Schülerpopulation kein Transfer sind, weil der
angesprochene Aspekt zufällig im Unterricht behandelt wurde. Unwahrscheinlich
ist es aber, dass alle Transferteile so behandelt wurden, das Finden von Lösungsstrategien
wird also sicherlich bei jedem Schüler geprüft werden.
Hypothesenbildung
Hypothesenbildung und das
Entwerfen von Experimenten zu ihrer Überprüfung ist ein wesentlicher
Bestandteil der naturwissenschaftlichen Grundbildung und wichtig für jeden
Naturwissenschaftler. Das Bilden von Hypothesen soll daher auch im Fach Biologie
genauso wie in den anderen Naturwissenschaften geübt und natürlich
entsprechend geprüft werden. Deshalb wird von den Schülern in der Abiturprüfung
verlangt, dass sie zu einem gegebenen Sachverhalt Hypothesen formulieren und
Experimente zur Überprüfung dieser Hypothesen entwickeln können.
Textverständnis
Auch die Fähigkeit, einen Text sorgfältig zu lesen, zu verstehen und die für
die Erklärung eines Sachverhalts entscheidenden Punkte herauszuarbeiten ist
eine wesentliche Qualifikation, die unsere Schüler erreichen müssen.
Die Tendenz wird wohl dahin
gehen, dass aktuelle Texte z.B. aus Zeitungen oder aus dem Internet von den Schülern
ausgewertet werden müssen und sich die gestellten Fragen auf diese Texte
beziehen.
Biologische
Allgemeinbildung und biologisches Grundwissen
Die Abituraufgaben beziehen selbverständlicherweise
biologische Allgemeinbildung und biologische Grundbildung mit ein.
Überschneidungen
der Themenbereiche in den verschiedenen Aufgabenblöcken
Solche Überschneidungen sind unsererseits teilweise bewusst eingefügt. Es soll
nicht vorkommen, dass ein Schüler ein Teilgebiet völlig "abwählen"
kann, was bei einer streng ohne Überschneidungen geführten Aufgabenstellung möglich
wäre.
Häufung
bestimmter Lehrplanthemen
Immer wieder werden wir darauf hingewiesen, dass bestimmte
Themenbereiche wie z.B.
Evolution weniger stark bei den Abituraufgaben vertreten sind. Dies liegt zum
einen daran, dass immer weniger Evolutionsaufgaben eingereicht werden, die den
Ansprüchen an eine zentrale Abituraufgabe genügen, zum anderen aber auch an
der Aktualität der Genetik.
Erste Ergebnisse
der Abiturprüfung 2000
Nach Rückmeldung verschiedener Erst-,
Zweit- und Endbeurteiler der verschiedenen Oberschulämter ergibt sich folgendes
vorläufiges Bild:
Die Abweichungen zur
Einreichungsnote sind wie jedes Jahr gering, sie werden im Durchschnitt nicht über
ein bis zwei Notenpunkte liegen.
Die Abweichungen zwischen Erst- und
Zweitkorrektur sind ebenfalls gering.
Die Aufgaben hatten eine deutliche Trennschärfe. Man findet eine erkleckliche
Anzahl von Schülerarbeiten mit 15 Punkten ebenso wie Arbeiten unter 5 Punkten.
Die Rückmeldungen zur Aufgabenstellung sind überwiegend positiv. Kritisch vermerkt wurde häufiger der Gesamtumfang der Aufgaben.
Aussagen über Wahlverhalten und über Einzelergebnisse der Teilaufgaben können zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gemacht werden.
Für die Mitglieder der Abituraufgaben-Kommission Biologie
Dr. Gilbert