Stellungnahme und Information der Abituraufgabenkommission

zu den Rückmeldungen zum Biologieabitur 2000


Übersicht:


Prozedere

Die verschiedenen Oberschulämter bitten jeweils ca. 15 Biologielehrer, Vorschläge für Teilaufgaben zur Abiturprüfung zu erstellen (für Grund- und Leistungskurs zusammen).

Die Aufgabenersteller laden wir jedes Jahr zu einem Gedankenaustausch über die Besonderheiten von Aufgaben für eine zentrale Prüfung ein, da für solche Aufgaben teilweise andere Regeln gelten als für Aufgaben in einer Klausur zum eigenen Unterricht.

Basierend auf den eingegangenen Vorschlägen erstellt dann die Abituraufgabenkommission in drei mehrere Wochen auseinanderliegenden Arbeitstagungen einen Entwurf der Abituraufgaben. Diese Entwürfe werden vier Biologielehrern vorgelegt, die nicht Mitglieder der Kommission sind und die diese Aufgaben ohne Kenntnis des Erwartungshorizonts mit Zeitvorgabe lösen. Die in dieser Testphase gesammelten Erfahrungen werden in einer weiteren Arbeitstagung in die Aufgaben eingearbeitet.

Die Abituraufgaben-Kommission setzt sich aus Mitgliedern der verschiedenen Oberschulämter (dem Fachreferenten für Biologie und mindestens einem Lehrer oder einer Lehrerin) zusammen. Mitglieder der Abituraufgabenkommission sind:
Heinz Dangel (Hohenzollern-Gymnasium Sigmaringen), Thomas Dietrich (Hohenstaufen-Gymnasium Bad Wimpfen),  Dietrich Eckardt (Hebel-Gymnasium Lörrach),  Dr. Peter Gilbert (Oberschulamt Karlsruhe),  Ernst Hader (Oberschulamt Freiburg),
Eugen Hoh (Oberschulamt Tübingen), Dr. Josef Maier (Gymnasium Unterrieden Sindelfingen),  Ulrich Marget (Markgräfler-Gymnasium Müllheim), Günter Ost (Oberschulamt Stuttgart),  Karl-Heinz Renner (Theodor-Heuss-Gymnasium Pforzheim), Sabine Schatte (Fichte-Gymnasium Karlsruhe), Annemarie Schupp (Kultusministerium).

Häufige Fragen

Wir bemühen uns, die Fragen präzise zu formulieren und sehen diese immer in engem Zusammenhang mit dem Vortext. Die Erwartung ist also, dass die Schüler die Fragen auf der Grundlage der im Vortext gegebenen Informationen beantworten.

In den Vortexten werden auch die Informationen gegeben, die für die Lösung von Transferaufgaben nötig sind. Es handelt sich um Inhalte, die nicht im Lehrplan verbindlich vorgeschrieben und deshalb den Schülern nicht aus dem Unterricht bekannt sind.

Bemerkungen wie "3 Angaben" oder ähnliches sollen den Umfang der Antworten einschränken. Um den Schülern zu helfen, könnten Sie im Sinne einer Prüfungstaktik auch auf die Korrelation zwischen der Zahl der Verrechnungspunkte und dem Antwortumfang hinweisen.

Die Lösungsvorschläge stellen eine mögliche Lösung dar. Andere Lösungen sind nicht nur denkbar, sondern insbesondere bei Transferaufgaben sogar erwünscht. Wir gehen dabei nicht davon aus, dass der Schüler auf dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis ist, also die "richtige" Lösung findet. Er soll mit seinem Wissen und auf der Basis der gegebenen Informationen eine sachlogische Lösung finden und diese schlüssig darstellen.

Warum schreiben Schüler bei manchen Fragen so viel? Welche Möglichkeiten haben wir, dies zu begrenzen?

Wir sprechen hier ein immer wieder kehrendes Problem an, mit dem Korrektoren wie Aufgabenersteller gleichermaßen zu kämpfen haben.

Beispiel humorale Immunantwort: Insbesondere bei der Beantwortung von reproduktiven Teilaufgaben ist es unseres Erachtens wichtig, dass die Schüler die wesentlichen Punkte eines Sachverhalts erfassen und darstellen. Die Korrekturerfahrung zeigt, dass dies zwei Schülerpopulationen Schwierigkeiten macht. Gute Schüler schreiben ausführlich und Dinge, die nicht unbedingt die Fragestellung betreffen, weil sie extrem viel wissen und all ihr Wissen anbringen möchten. Dies ist nicht gut zu heißen, weil der Schüler dadurch unproportional viel Zeit verliert. Der schwache Schüler schreibt alles, was zum Sachverhalt dazu gehört und was nicht, weil er es nicht genau weiß und nicht genau unterscheiden kann.

Den Schülern sollte geholfen werden (und nicht erst im Unterricht der Oberstufe) sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Denn: nicht nur bei Abiturprüfungen spielt der Aspekt, eine bestimmte Arbeit in einer vorgegebenen Zeit zu bewältigen, eine große Rolle.

Zum Thema „viel Schreiben“ bitten wir auch die unterschiedliche Bedeutung der Operatoren zu beachten, die wir sehr bewusst einsetzen. Z.B. Nenne .... bedeutet Aufzählung ohne weitere Erläuterung oder Begründung. Begründe .... erwartet eine Darstellung sachlogischer Zusammenhänge. Bitte besprechen Sie dies mit Ihren Schülern.

Transferaufgaben

Wie Sie in den letzten Jahren sehen konnten, bringen wir in jeden Aufgabenblock einen Transferteil ein. Wir versuchen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Reproduktions- Reorganisations- und Transferaufgaben herzustellen. Die Aufgabenkommission muss - bei einer zentralen Prüfung - den Begriff "Transfer" auf Grundlage des Lehrplans definieren. D.h., es sind durchaus Situationen/Aufgabenstellungen denkbar, die für eine Schülerpopulation kein Transfer sind, weil der angesprochene Aspekt zufällig im Unterricht behandelt wurde. Unwahrscheinlich ist es aber, dass alle Transferteile so behandelt wurden, das Finden von Lösungsstrategien wird also sicherlich bei jedem Schüler geprüft werden.

Hypothesenbildung

Hypothesenbildung und das Entwerfen von Experimenten zu ihrer Überprüfung ist ein wesentlicher Bestandteil der naturwissenschaftlichen Grundbildung und wichtig für jeden Naturwissenschaftler. Das Bilden von Hypothesen soll daher auch im Fach Biologie genauso wie in den anderen Naturwissenschaften geübt und natürlich entsprechend geprüft werden. Deshalb wird von den Schülern in der Abiturprüfung verlangt, dass sie zu einem gegebenen Sachverhalt Hypothesen formulieren und Experimente zur Überprüfung dieser Hypothesen entwickeln können.

Textverständnis

Auch die Fähigkeit, einen Text sorgfältig zu lesen, zu verstehen und die für die Erklärung eines Sachverhalts entscheidenden Punkte herauszuarbeiten ist eine wesentliche Qualifikation, die unsere Schüler erreichen müssen.

Die Tendenz wird wohl dahin gehen, dass aktuelle Texte z.B. aus Zeitungen oder aus dem Internet von den Schülern ausgewertet werden müssen und sich die gestellten Fragen auf diese Texte beziehen.


Biologische Allgemeinbildung und biologisches Grundwissen

Die Abituraufgaben beziehen selbverständlicherweise biologische Allgemeinbildung und biologische Grundbildung mit ein.


Überschneidungen der Themenbereiche in den verschiedenen Aufgabenblöcken

Solche Überschneidungen sind unsererseits teilweise bewusst eingefügt. Es soll nicht vorkommen, dass ein Schüler ein Teilgebiet völlig "abwählen" kann, was bei einer streng ohne Überschneidungen geführten Aufgabenstellung möglich wäre.


Häufung bestimmter Lehrplanthemen

Immer wieder werden wir darauf hingewiesen, dass bestimmte Themenbereiche wie z.B.
Evolution weniger stark bei den Abituraufgaben vertreten sind. Dies liegt zum einen daran, dass immer weniger Evolutionsaufgaben eingereicht werden, die den Ansprüchen an eine zentrale Abituraufgabe genügen, zum anderen aber auch an der Aktualität der Genetik.


Erste Ergebnisse der Abiturprüfung 2000

Nach Rückmeldung verschiedener Erst-, Zweit- und Endbeurteiler der verschiedenen Oberschulämter ergibt sich folgendes vorläufiges Bild:

Die Abweichungen zur Einreichungsnote sind wie jedes Jahr gering, sie werden im Durchschnitt nicht über ein bis zwei Notenpunkte liegen.
Die Abweichungen zwischen Erst- und Zweitkorrektur sind ebenfalls gering.
Die Aufgaben hatten eine deutliche Trennschärfe. Man findet eine erkleckliche Anzahl von Schülerarbeiten mit 15 Punkten ebenso wie Arbeiten unter 5 Punkten.

Die Rückmeldungen zur Aufgabenstellung sind überwiegend positiv. Kritisch vermerkt wurde häufiger der Gesamtumfang der Aufgaben.

Aussagen über Wahlverhalten und über Einzelergebnisse der Teilaufgaben können zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gemacht werden.

 

Für die Mitglieder der Abituraufgaben-Kommission Biologie

 

Dr. Gilbert

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